So nähst du die Modetrends Herbst/ Winter 2025/ 26 auf deine Art
Die Farben sind kräftig, die Schnitte auffällig, die Materialien luxuriös. Die Herbst-/ Winter-Saison ist da – und mit ihr eine Flut an neuen Trends.
Vielleicht hast du Bilder von Models auf Laufstegen gesehen, durch Lookbooks geblättert oder einfach vor einem Schaufenster gestanden und gedacht: „Kann ich sowas eigentlich selbst nähen?“ Vielleicht hast du im Kopf auch schon begonnen, Schnitte und Stoffe zusammenzusetzen.
Doch dann kommen die Zweifel … Reicht mein Können für so ein Nähprojekt? Passt der Stoff zum Schnitt? Und was, wenn’s am Ende nichts wird?
Atme durch. Du musst keine Profi-Schneiderin sein, um in dieser Saison etwas Trendiges zu nähen. Egal ob du gerade deine ersten Nähte nähst oder eigene Schnitte entwirfst, in diesem Beitrag zeige ich dir, wie du aktuelle Trends passend für dich umsetzen kannst.
Dabei ist mir eins ganz wichtig: Farben und Trends sind nur so gut, wie sie dir stehen und zu dir passen. Sieh es lieber wie ein Buffet und suche dir aus, was dir gefällt und was zu dir und deinem Stil passt.
Es geht nicht darum, jedem Trend hinterherzunähen, sondern zu verstehen, wie du einzelne Elemente bewusst für deine Garderobe und Nähprojekte nutzen kannst, wenn du das möchtest. Los geht’s!
Überblick: Modetrends Herbst/Winter 2025/ 26
Farben
Die Farben der Saison Herbst/Winter 2025/26 sind vielseitig, aber vor allem warm und kontrastreich. Brauntöne in allen Nuancen dominieren, von Mokka bis Milchschokolade. Dazu kommen starke Akzentfarben wie zum Beispiel Signalrot.
Aber lass uns gleich mit einem Missverständnis aufräumen:
Nur weil eine Farbe im Trend liegt, heißt das nicht, dass du sie tragen (oder gar vernähen) musst.
Farben, die auf dem Laufsteg auftauchen, sind inspirierend, aber nur dann hilfreich, wenn sie zu dir passen und du dich damit wohlfühlst. Wenn dir Trends wichtig sind, kombiniere Schnitte, Texturen und Formen, die aktuell sind, mit Farben, die du liebst. So bleibst du „du“, ohne dich zu verbiegen.
Hier siehst du eine Auswahl der Saisonfarben:

Mein Tipp: Wichtig sind immer die Farben, die dein Gesicht „umgeben“. Wenn du also auf Trendfarben nicht verzichten möchtest, obwohl du weißt, dass sie dir nicht optimal stehen, verwende sie für Accessoires oder Kleidungsstücke, die nicht direkt in der Nähe deines Gesichtes sind.
Materialien & Texturen
In dieser Saison geht’s vor allem ums Fühlen, also um Stoffe mit Struktur und Charakter. Klassiker wie Tweed, Samt, Wolle und Strick sind zurück, wirken aber durch bessere Qualität oder nachhaltige Varianten frischer denn je.
Auch Kunstpelz und Leder (gern auch in Farbe oder mit Muster) und Animalprints sind wieder da und setzen auffällige Akzente.
Beliebt sind Stoffe, die man nicht nur sieht, sondern spürt – wie Bouclé, beschichtete Materialien oder alles, was etwas Struktur mitbringt. Diese Materialien machen auch einfache Schnitte spannend und lassen sich super kombinieren, zum Beispiel „Hingucker-Detail“.

Mein Tipp: Du brauchst keinen aufwendigen Schnitt, um einen modernen Look zu nähen, manchmal reicht schon die richtige Stoffwahl.
Auch Materialmix macht dein Teil zu etwas Besonderem: Wie wäre es mit einem Kragenbesatz aus Kunstfell oder einem Ärmelsaum aus einem kontrastierenden Stoff ? Eine einfache Strickjacke zum Beispiel bekommt das besondere Etwas, wenn du sie mit Taschen aus Lederimitat versiehst. So kannst du aktuelle Trends aufgreifen, ohne gleich dein ganzes Schnittmuster zu verändern. Und machst ein Basic-Teil mit deiner ganz persönlichen Note zum Hingucker.
Schnitte & Silhouetten
Die Formen dieser Saison sind kraftvoll, weich und oft bewusst überzeichnet.
Jacken, Mäntel und Blazer mit betonten Schultern sind wieder da, aber in modern und bequem. Statt steifem 80er-Look kommen jetzt weiche Stoffe wie Wolle, Tweed oder Samt zum Einsatz. Klare Linien, dezente Schulterpolster und lockere Schnitte sorgen für einen starken, aber tragbaren Stil. So sieht „Power Dressing“ heute aus: selbstbewusst, lässig und absolut alltagstauglich.
Weite Schnitte und Lagen-Looks spielen ebenfalls eine große Rolle: Oversized-Formen, Wickeloptiken oder Cocoon-Coats (locker geschnittene Mäntel mit rundlicher Form) sind angesagt. Strick-Ensembles aus Ober- und Unterteilen im gleichen Material sorgen für einen modernen, aber gemütlichen Look.
Luxus trifft auf Bequemlichkeit: Weiche Stoffe und fließende Schnitte laden zum Reinkuscheln ein. Es soll gemütlich sein, und dabei trotzdem stilvoll und edel aussehen.
Auch mit Proportionen wird experimentiert, etwa durch weite Hosen kombiniert mit verkürzten Oberteilen oder lange Röcke mit schmalen Shirts. Und nicht zuletzt verlagert sich die Taillenlinie wieder nach unten: Hosen mit hüftigem Sitz feiern ihr Comeback.
Trend Nr. 1: Comeback der starken Schulter
„Power Dressing“, aber mit Komfort und Eleganz.
Keine Sorge: Um die Schultern zu betonen, musst du nicht gleich die Schulterpolster rauskramen.
Oversize-Modelle und Schnitte mit überzeichneten Schultern oder angeschnittenen Ärmeln passen gut in diesen Trend, ohne dass du dir wie ein Preisboxer vorkommen musst 😉
Wenn du schon etwas fitter im Nähen bist und weißt, wie du Schnitte verändern kannst, kannst du auch aus einem normalen Ärmel einen leichten Puffärmel machen oder eine Kellerfalte auf Höhe der Schulterlinie einarbeiten.
Auch eine Bindegürtel betont die Taille und macht optisch die Schultern dominanter.
Geeignete Schnittmuster:
- Basics: einfacher, ungefütterter Mantel, Kimonojäckchen oder Jacke bzw. Oberteil mit angeschnittenen Ärmeln, Oversize-Schnitte
- für Fortgeschrittene: Gefütterte Blazer oder Mantelmodelle mit Kragen und mit eingesetzten Ärmeln
- für die Näh-Profis: Revers-Details, raffinierte Taschen
Stoffwahl:
- Basics: Strickstoffe, Walk, Fleece, French Terry oder leichte bis mittelschwere Stoffe wie Wollmischungen
- für Fortgeschrittene: Bouclé, Tweed oder klassischer Blazerstoff
- für die Näh-Profis: Edle Materialien wie strukturierter Brokat, Samt, beschichtete Baumwolle oder sogar (veganes) Leder
Trend Nr. 2: Lagen-Liebe – Struktur trifft Kuschelkomfort
Angesagt sind bequeme Looks mit mehreren Lagen, aber schön kombiniert, nicht einfach übereinandergeworfen. Weiche Stoffe, Wickelschnitte und spannende Materialmixe wie Samt mit Wolle oder Stepp mit Jersey machen den Look besonders. Ob Strick-Set, Cape oder Wickeljacke: Der Trend verbindet Komfort mit Stil und lässt sich ganz einfach für deine eigenen Nähprojekte anwenden.

So kannst du den Trend für dich umsetzen:
- Stricksets wie Hose oder Rock mit Pullover im gleichen Stoff oder Cardigan und Hose aus demselben Material. Das ergibt sofort einen trendigen Look mit wenig Aufwand.
- Stoffkombis machen den Look: Du musst keinen komplett neuen Schnitt nähen – oft reicht es, z. B. Ärmel oder Taschen in Kontrastmaterial zu nähen. Kombiniere z. B. Wollstoffe mit Strick, Teddy mit Jersey, Samt mit Steppstoff. Baue Kontraste ein – z. B. matte und glänzende Stoffe, grobe und feine Texturen. Auch Farbkontraste wirken hier sehr modern.
- Ein schlichtes Grundteil (wie ein Basic-Kleid) kann mit einem Überwurf, Poncho oder Gürtel in Kontraststoff schnell „trendiger“ wirken.
- Nähe ein großes Schal-Accessoire oder einen passenden Kragen aus Reststoff, das wertet dein Outfit sofort auf.
Geeignete Schnittmuster:
- Basics: Kimonojacke, offene Strickjacke, Pull-on-Rock oder ein einfaches Shirt mit angeschnittenen Ärmeln
- für Fortgeschrittene: Wickelmäntel, Jacken mit Gürtel, Pulloverkleider oder Cardigans mit Kragen
- für die Näh-Profis: Cocoon-Coats, Asymmetrische Wickeljacken, Cape-Mäntel, Strickkleider mit Cutouts, mehrlagige Konstruktionen
Stoffwahl:
- Basics: Strickstoffe, Walk, Fleece, French Terry oder leichter Wollstoff
- für Fortgeschrittene: Kombiniere z. B. Wollstoffe mit Strick, Teddy mit Jersey, Samt mit Steppstoff
- für die Näh-Profis: Kombiniere außergewöhnliche Stoffe – z. B. Metallic-Steppstoff mit Kunstfell, Samt mit Strick, Softshell mit Jersey
Trend Nr. 3: Dark Boho & Gothic Romance – verspielt, dunkel und ein bisschen wild
Dieser Trend verbindet dunkle Farben mit romantischen Details. Hier kommen Fans von fließenden Stoffen, Spitze, Tüll, Rüschen, transparente Lagen und Puffärmeln auf ihre Kosten.
Ob Maxikleid, Rock oder Oberteil, der Look ist weich, fließend und ein bisschen geheimnisvoll. Dieser Trend lebt von den Details.
Besonders beliebt sind Farben wie Schwarz, Dunkelgrün, Pflaume oder Bordeaux.

So kannst du den Trend für dich umsetzen:
- Nähe ein einfaches Teil (z. B. Rock, Shirt oder Top) und füge ein einziges romantisches Detail hinzu, wie eine Spitzenborte am Saum, ein Spitzeneinsatz an Rücken oder Ärmeln, Ärmel oder Saum mit Volant, ein Kragen aus Chiffon
- Spiele mit Kontrasten: z. B. matte und glänzende Stoffe oder transparente Einsätze.
Geeignete Schnittmuster:
- Basics: Maxirock mit Gummibund, lockeres Kleid mit gerafften Ärmeln, Tunika mit Volants
- für Fortgeschrittene: Kleid mit eingesetzter Spitze, Rüschenbluse, Midirock mit Tüll-Lagen
- für die Näh-Profis: mehrlagiger Tüllrock, Spitzeneinsätzen oder asymmetrischen Volants
Stoffwahl:
- Basics: Baumwollvoile, weich fallender Musselin
- für Fortgeschrittene: Chiffon, Tüll, Crêpe, dehnbare Spitze oder Jersey mit Spitze, einzeln oder in Kombination
- für die Näh-Profis: Seidenchiffon, Ausbrenner-Samt, Stretch-Spitze, Georgette
Trend-Extra: Popcorn-Jeans – Denim mit funkelndem Extra
Ein neuer Hingucker unter den Jeans-Trends sind sogenannte Popcorn-Jeans. Dabei handelt es sich um klassische Jeans, die mit Perlen, Strass, Nieten oder Pailletten verziert sind.
Wichtig: Halte den Rest deines Outfits schlicht und hochwertig – zum Beispiel mit einer klassischen Bluse oder einem schlichten Blazer. So wirkt die Jeans nicht zu verspielt, sondern modern und stilsicher, auch im Büro. Ein kreativer Look, der auffällt, ohne laut zu sein.
So kannst du den Trend für dich umsetzen:
- Du kannst jede einfache Jeans in ein Trendteil verwandeln, indem du kleine Perlen, Glitzersteine oder Hotfix-Strasssteine aufnähst oder aufbügelst.
- Besonders schön wirken sie entlang der Seitennähte, an den Taschen bzw. Taschen-Eingriffen, am Saum oder auch über den Oberschenkeln verteilt
So wird aus einer schlichten Jeans im Handumdrehen ein echtes Highlight – ganz individuell und im Trend.


UND JETZT?
Nimm nur, was zu dir passt
Nicht jeder Trend muss zu dir passen, und das ist völlig in Ordnung. Frag dich bei jedem neuen Schnitt oder Detail: Fühle ich mich wohl darin? Würde ich das wirklich tragen? Oder: Kann ich es so abwandeln, dass es wirklich mein Stil wird? Trends können eine tolle Inspiration sein, aber sie sind wie gesagt kein Muss. Du nähst nicht für den Laufsteg, sondern für dich.
Nutze Schnittmuster clever
Du musst nicht für jeden Trend ein neues Schnittmuster kaufen. Oft reicht es, wenn du deine Lieblingsschnitte durch kleine Änderungen anpasst. Zum Beispiel kannst du die Ärmelform verändern und statt schmal geschnitten Puff- oder Ballonärmel ausprobieren. Auch die Länge lässt sich ganz leicht verändern: Ein Mantel wird durch ein paar zusätzliche Zentimeter gleich moderner und passt besser zum Oversize-Look. Und mit einem Bindegürtel, einem Spitzeneinsatz oder einem besonderen Kragen bekommt ein einfacher Schnitt schnell das gewisse Etwas. So arbeitest du mit dem, was du kennst und holst trotzdem das Beste heraus.
Wähle dein Projekt nach deinem Können
Wähle dein Nähprojekt so, dass es zu deinem Können passt. Du musst nicht „perfekt“ nähen können, um modische Trends umzusetzen. Wenn du Anfängerin bist, starte mit einfachen Schnitten und Stoffen, die anfängertauglich und pflegeleicht sind.
Hast du schon mehr Erfahrung, kannst du auf bewährte Schnitte und zurückgreifen und durch ein neues Detail, individuelle Schnittabänderungen oder besondere Materialien frischen Wind reinbringen.
Wichtig ist: Du wächst mit jedem Projekt. Und zwar nicht, weil du schon alles kannst, sondern weil du dich traust, etwas Neues auszuprobieren.
Fazit: Stil ist das, was du draus machst
Modetrends kommen und gehen. Was bleibt, ist dein Stil, und die Fähigkeit, „deins“ aus Trends und Inspirationen zu machen.
Du musst keinem Trend hinterherlaufen, um geschmackvoll gekleidet und „up to date“ zu sein. Was zählt, ist dein eigener Stil und dass du weißt, wie du ihn umsetzen kannst. Ob du gerade erst mit dem Nähen beginnst oder schon seit Jahren kreativ bist: Trau dich und leg einfach los!
Denn Nähen bedeutet nicht nur „Kleidung machen“. Es bedeutet:
- Selbstausdruck,
- Selbstbestimmung und
- Selbstvertrauen
Also schnapp dir deine Nähmaschine, deinen Lieblingsstoff und deinen Mut
und mach diesen Herbst/ Winter zu deiner eigenen kleinen Modenschau.
Viel Freude beim Nähen,
Deine Birgit





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